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Sichtbarkeit als Führungskraft: Warum du dich nicht kleiner machen solltest als du bist

  • 5. Juni
  • 5 Min. Lesezeit


Du hast dir irgendwann mal ein Kleidungsstück gekauft. Eines, das du wunderschön findest. Das gut sitzt, die Farbe gefällt dir, der Schnitt passt. Und es hängt noch immer im Schrank. Ungetragen.


Nicht weil es nicht schön wäre. Sondern weil du damit auffallen würdest. Und auffallen – das ist in bestimmten Umgebungen keine neutrale Sache.


Wenn du eine von wenigen Frauen auf deiner Führungsebene bist. Wenn du sowieso schon anders führst, anders denkst, anders kommunizierst. Wenn du eh schon auf dem Radar bist – dann kann eine farbige Hose oder ein heller Blazer sich anfühlen wie ein Statement, das du gerade nicht machen willst.



Ich kenne dieses Gefühl aus meiner Arbeit sehr gut. Und ich kenne es aus Gesprächen mit Frauen, die genau dort stehen. Was mir dabei immer wieder auffällt: Das Thema ist nie wirklich die Farbe. Es ist das, was Sichtbarkeit bedeutet.


Clara-Lina Deinhard, Stilberaterin Hamburg – Sichtbarkeit als Führungskraft durch bewussten Auftritt

Was „auffallen" in männlich geprägten Umfeldern wirklich bedeutet

Es gibt einen feinen Unterschied zwischen auffallen wollen und bereit sein aufzufallen.

Viele Frauen in Führungspositionen, mit denen ich arbeite, sind mutig. Sie vertreten Haltungen, sie gehen in Konflikte, sie halten die Fahne hoch für eine andere Art zu führen. Und gleichzeitig zieht dieselbe Frau am nächsten Morgen das gedeckte Outfit an. Nicht aus Überzeugung – sondern weil das Aufmerksamkeit kostet, die sie sich vielleicht gerade nicht leisten will.


Denn Sichtbarkeit als Führungskraft bedeutet Angreifbarkeit.

Das ist kein Einbildung und auch keine Schwäche. Das ist eine sehr reale Dynamik, gerade dort, wo Frauen strukturell unterrepräsentiert sind. Wenn du in einem Umfeld arbeitest, in dem dir jemand sagt „bleib so wie du bist, wir brauchen das" – und gleichzeitig hörst, dass man hinter deinem Rücken über dich redet, sobald du mal klar Position beziehst – dann ist das erschöpfend. Und dann ist ein gedeckter Blazer manchmal einfach der kleinste Widerstand.

Ich sage nicht, dass das falsch ist. Ich sage: Es hat einen Preis.


Anpassen kostet mehr, als du denkst

Es ist ein schleichender Prozess. Du kaufst die Farben, die du magst. Du trägst sie dann doch nicht. Du nimmst dir vor, mutiger zu werden. Du greifst beim nächsten Meeting doch wieder zu Blau oder Grau. Weil heute nicht der richtige Tag ist. Weil der Termin zu wichtig ist. Weil du gerade keine Energie hast für Blicke.


Was dabei passiert, ist subtil, aber real: Du schränkst deine eigene Sichtbarkeit ein – bevor es jemand anderes tut. Du regulierst dich, bevor der Raum es von dir verlangt.

Und das ist genau das Gegenteil von dem, was du eigentlich willst.


Dabei gibt es etwas, das ich immer wieder beobachte: Frauen, die sich in ihrem Erscheinungsbild sicher fühlen, die wissen was ihnen steht und warum – die zögern weniger. Die gehen in Präsentationen anders rein. Die nehmen mehr Raum ein – nicht laut, sondern einfach präsent. Das ist kein Zufall.


Clara-Lina Deinhard, Stilberaterin Hamburg – Sichtbarkeit als Führungskraft durch bewussten Auftritt

Farbe ist kein Statement – es sei denn, du machst es dazu

Ein heller Blazer ist kein Aufstand. Eine pinke Hose ist kein Angriff. Das Problem entsteht, wenn wir selbst anfangen, Kleidung so zu lesen – und dann entsprechend zögerlich damit umgehen.

Was ich in der Beratung häufig empfehle: Fang nicht mit dem lautesten Stück an. Wenn der Blazer gerade noch zu viel ist – dann fang mit dem T-Shirt darunter an. Oder dem Accessoire. Bring die Farbe in kleinen Schritten in deinen Alltag. Nicht als Beweis nach außen, sondern damit du selbst merkst: Das bin ich. Das fühlt sich gut an. Das geht.

Weil dein Körper lernen muss, sich in Sichtbarkeit wohlzufühlen – genauso wie dein Kopf.

Und dann wirst du irgendwann merken, dass du den Blazer anziehst. Nicht weil du heute besonders mutig bist. Sondern weil er einfach zu dir gehört.


"Besonders" ist nicht dasselbe "wie anders"

Es gibt diesen inneren Satz, den viele Frauen irgendwann entwickeln: Ich bin anders. Ich falle auf. Ich passe nicht ganz dazu.

In manchen Umfeldern wurde genau das frühzeitig bestraft. Wer hervorsticht, wer mehr will, wer unbequeme Fragen stellt – der bekommt das zu spüren. Das setzt sich fest.

Aber: Anders sein und besonders sein sind zwei verschiedene Dinge. Eines fühlt sich wie ein Defizit an. Das andere ist eine Stärke.


Wenn du die Einzige auf deiner Ebene bist, die wirklich Haltung zeigt – im Gespräch, in der Entscheidung, im Auftreten – dann ist das kein Problem. Das ist das, was du mitbringst. Was du verkörperst. Und was du dir sichtbar machen darfst – auch äußerlich.

Dein Erscheinungsbild ist kein Bewerbungsfoto für die Akzeptanz deiner Kollegen. Es ist Ausdruck davon, wer du bist. Und wer du sein willst.



Was das mit deiner Garderobe zu tun hat

Die praktische Ebene gibt es natürlich auch. Farben, die zu deinem Farbtyp passen, stärken deine Ausstrahlung – das ist kein Marketing, das ist Physiologie. Bestimmte Töne lassen deine Haut strahlen, lassen dich präsenter und vitaler wirken. Die falschen tun das Gegenteil: Sie lassen dich müde aussehen, blasser, weniger präsent.


Das heißt: Nicht jede Farbe, die du liebst, steht dir automatisch. Und nicht jede Farbe, die du gerne trägst, muss gleichzeitig die sein, die dir am besten steht. Diese beiden Dinge lassen sich aber sehr gut miteinander verbinden – wenn du weißt, was dein Typ ist, was deine Leuchttöne sind und wie du innerhalb deiner Palette kombinieren kannst.

Wenn ich mit Frauen an ihrer Garderobe arbeite, geht es genau darum: Nicht darum, mehr zu kaufen. Sondern darum, das Richtige zu haben. Stücke, die verlässlich funktionieren – auch dann, wenn du morgens keine Energie hast, groß nachzudenken. Outfits, die dich tragen, nicht umgekehrt.



Sichtbarkeit beginnt im Schrank

Das Kleidungsstück, das im Schrank hängt, ist kein kleines Detail. Es ist Spiegel von etwas, das du dir selbst nicht erlaubst – noch nicht.


Du musst heute nicht den mutigsten Schritt machen. Aber du kannst anfangen. Mit einem Stück. Einem Outfit. Einem Termin, bei dem du die Farbe trägst, die du liebst – und dabei einfach schaust, was passiert.


Die meisten Frauen, die ich in diesem Prozess begleite, kommen irgendwann zu dem Punkt, an dem sie sagen: Ich wusste gar nicht, wie sehr mich das gebremst hat. Und wie leicht es eigentlich ist, wenn man weiß, was zu einem passt.


Wenn du herausfinden möchtest, wo du gerade stehst – welcher Stiltyp du bist und was das für deinen Auftritt bedeutet – dann fang mit dem kostenlosen Stil-Typen-Test an. Er dauert keine zehn Minuten und gibt dir schon eine erste Orientierung.




Über Clara-Lina Deinhard

Clara-Lina Deinhard ist mehrfach zertifizierte Style Coach™ und Stilberaterin mit über 14 Jahren Erfahrung und mehr als 500 Kundinnen. Sie arbeitet mit Frauen in Führungspositionen und Unternehmerinnen – besonders in männlich geprägten Berufsfeldern – die sichtbarer werden möchten, ohne sich dabei zu verbiegen. Clara-Lina berät in Hamburg, auf Sylt und online.



 
 
 

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